Delmenhorst ist für viele die günstigere Alternative zum teuren Bremen, das gleich hinter der Stadtgrenze beginnt. Doch auch hier ziehen die Mieten an: Die Angebotsmieten sind binnen eines Jahres um rund sieben Prozent gestiegen. Wer eine Wohnung sucht, sollte deshalb wissen, was ortsüblich ist, welche Rechte er hat und welche Hilfen es vom Amt gibt. Dieser Ratgeber ordnet die Mietpreise ein, erklärt den neuen Mietspiegel, die Kaution und die Nebenkosten und zeigt, wo es Wohnberechtigungsschein und Wohngeld gibt.
Was eine Mietwohnung in Delmenhorst kostet
Beim Mietpreis lohnt es, zwei Zahlen auseinanderzuhalten. Die Angebotsmiete ist der Preis, mit dem freie Wohnungen auf den Portalen inseriert werden. Die ortsübliche Vergleichsmiete ist der Durchschnitt der tatsächlich gezahlten Mieten - und für Mieterhöhungen im laufenden Vertrag die rechtlich entscheidende Größe.
Bei den Angebotsmieten liegt Delmenhorst Anfang 2026 nach Auswertung der großen Immobilienportale im Schnitt bei rund 9 bis 10 Euro pro Quadratmeter kalt. In einfachen Lagen sind es eher 7,50 Euro, in gefragten Vierteln über 10 Euro. Gegenüber dem Vorjahr sind die Angebotsmieten um etwa sieben Prozent gestiegen. Zum Vergleich: In Bremen liegen die Angebotsmieten deutlich höher, was den Zuzug in die Nachbarstadt Delmenhorst weiter befeuert.
Diese Portalzahlen sind eine grobe Orientierung, aber kein Beweis. Wer wissen will, was für eine konkrete Wohnung angemessen ist, greift zum Mietspiegel.
Der qualifizierte Mietspiegel
Anders als viele Städte ihrer Größe hat Delmenhorst einen eigenen qualifizierten Mietspiegel nach § 558d BGB. Die aktuelle Ausgabe wurde am 9. Januar 2026 veröffentlicht und gilt bis zum 31. Dezember 2027. Erstellt hat ihn ein Fachinstitut per Regressionsanalyse aus den Mietdaten der vergangenen sechs Jahre - eine rechtssichere Grundlage, um die ortsübliche Vergleichsmiete zu bestimmen.
Das Praktische: Es gibt einen kostenlosen Online-Rechner. Sie tragen Adresse, Größe, Baujahr, Modernisierungen und Ausstattungsmerkmale wie Fußbodenheizung, Glasfaser oder Fahrradkeller ein und erhalten die Spanne der ortsüblichen Miete für genau diese Wohnung. Den Rechner und die Broschüre finden Sie auf der Mietspiegel-Seite der Stadt Delmenhorst. Der Mietspiegel hilft in beide Richtungen: Mieter erkennen eine überzogene Forderung, Vermieter können eine Erhöhung sauber begründen.
Keine Mietpreisbremse - aber die Kappungsgrenze
Das Land Niedersachsen hat zum 1. Januar 2025 seine Mieterschutzverordnung stark ausgeweitet: In 57 Kommunen mit angespanntem Wohnungsmarkt gilt seither die Mietpreisbremse und eine abgesenkte Kappungsgrenze. Delmenhorst gehört nicht dazu. In der Liste der betroffenen Städte taucht die Stadt nicht auf.
Für Mieter bedeutet das zweierlei. Bei einer Neuvermietung gibt es keine gesetzliche Obergrenze - der Vermieter darf die Miete frei ansetzen, der Markt bestimmt den Preis. Im laufenden Mietverhältnis greift dagegen die normale Kappungsgrenze nach § 558 BGB: Die Miete darf innerhalb von drei Jahren um höchstens 20 Prozent steigen, und nie über die ortsübliche Vergleichsmiete hinaus. In den 57 Verordnungs-Kommunen sind es nur 15 Prozent - dieser strengere Wert gilt in Delmenhorst also nicht. Umso wichtiger ist der Mietspiegel als Maßstab.
Wo man sucht - und die GSG
Der mit Abstand größte Vermieter der Stadt ist die kommunale GSG Wohnungsbaugesellschaft mit rund 2.200 Wohnungen in Delmenhorst und Stuhr. Sie vermietet ohne Vermittlungsprovision - ein direkter Anruf oder die Warteliste lohnen sich, gerade für bezahlbare Bestandswohnungen. Daneben inserieren die örtlichen Makler und Wohnungsgesellschaften auf den bekannten Portalen (ImmoScout24, Immowelt, Kleinanzeigen) und teils exklusiv auf den eigenen Seiten.
Gute Nachricht für Mieter: Beim Bestellerprinzip zahlt, wer den Makler beauftragt. Da das bei Mietwohnungen fast immer der Vermieter ist, fällt für Mietinteressenten seit 2015 in aller Regel keine Maklerprovision an. Eine Übersicht der Makler und der GSG finden Sie auf unserer Seite zu Immobilien in Delmenhorst, die Einordnung der Wohnlagen unter Stadtteile von Delmenhorst.
Kaution und Nebenkosten
Zwei Posten kommen zur Kaltmiete hinzu. Die Mietkaution darf nach § 551 BGB höchstens drei Nettokaltmieten betragen. Wichtig: Sie dürfen die Kaution in drei gleichen Monatsraten zahlen, die erste zu Mietbeginn - der Vermieter darf nicht die volle Summe auf einen Schlag verlangen. Das Geld muss er getrennt von seinem Vermögen und verzinst anlegen.
Dazu kommen die Betriebskosten (umgangssprachlich Nebenkosten). Man unterscheidet die kalten Betriebskosten - Grundsteuer, Wasser, Abwasser, Müllabfuhr, Hausreinigung, Versicherungen - von den warmen Kosten für Heizung und Warmwasser. Als Faustzahl liegen die kalten Nebenkosten bei etwa 2 bis 3 Euro pro Quadratmeter im Monat, mit Heizung entsprechend mehr. Im Inserat sollten Sie deshalb immer auf die Warmmiete achten, nicht nur auf die Kaltmiete.
Was zur Miete dazukommt
| Kaution | max. 3 Nettokaltmieten |
| Kaution zahlbar in | 3 Monatsraten |
| Kalte Betriebskosten | ca. 2 - 3 €/m²/Monat |
| Maklerprovision (Mieter) | i. d. R. 0 € |
Kaution nach § 551 BGB, Provision nach dem Bestellerprinzip. Nebenkosten variieren je nach Gebäude und Heizung.
Sozialwohnung, Wohnberechtigungsschein und Wohngeld
Wer wenig verdient, hat zwei Ansatzpunkte. Für eine geförderte Sozialwohnung brauchen Sie einen Wohnberechtigungsschein (WBS). Den stellt der Fachdienst Wohngeld und Wohnungsbauförderung der Stadt aus, sobald Sie die Einkommensgrenzen des Landes einhalten. Die Gebühr liegt zwischen 10 und 20 Euro, der Schein gilt in Niedersachsen ein Jahr und muss danach neu beantragt werden.
Unabhängig davon gibt es das Wohngeld als staatlichen Zuschuss zur Miete (Mietzuschuss) oder zu den Wohnkosten von Eigentümern (Lastenzuschuss). Anspruch haben Haushalte mit geringem Einkommen oberhalb der Grundsicherung, etwa Rentner mit kleiner Rente, Familien oder Geringverdiener. Bewilligt wird in der Regel für zwölf Monate, danach ist ein Weiterleistungsantrag nötig. Zuständig für beides ist derselbe Fachdienst im City-Center (CCD), Lange Straße 1a - Termine nach Vereinbarung.
Wohngeld und Wohnberechtigungsschein: Fachdienst Wohngeld und Wohnungsbauförderung, City-Center (CCD), Lange Straße 1a, 27749 Delmenhorst. Zentrale (04221) 99-0. Anträge und Formulare online über das Wohngeld-Portal und die WBS-Seite der Stadt.
Häufige Fragen zum Mieten in Delmenhorst
Was kostet eine Mietwohnung in Delmenhorst?
Die Angebotsmieten liegen Anfang 2026 im Schnitt bei rund 9 bis 10 Euro pro Quadratmeter kalt, in einfachen Lagen um 7,50 Euro, in gefragten Vierteln über 10 Euro. Die für Mieterhöhungen maßgebliche ortsübliche Vergleichsmiete ermittelt der qualifizierte Mietspiegel der Stadt individuell für jede Wohnung.
Gilt in Delmenhorst die Mietpreisbremse?
Nein. Delmenhorst gehört nicht zu den 57 niedersächsischen Kommunen mit angespanntem Wohnungsmarkt. Bei Neuvermietung gibt es daher keine gesetzliche Mietobergrenze. Im laufenden Vertrag gilt die reguläre Kappungsgrenze von 20 Prozent in drei Jahren.
Wie viel Kaution darf der Vermieter verlangen?
Höchstens drei Nettokaltmieten. Sie dürfen die Kaution in drei Monatsraten zahlen, die erste bei Mietbeginn. Der Vermieter muss sie verzinst und getrennt von seinem Vermögen anlegen.
Wer bekommt einen Wohnberechtigungsschein?
Jeder Haushalt, der die Einkommensgrenzen des Landes Niedersachsen einhält. Den WBS stellt der Fachdienst Wohngeld und Wohnungsbauförderung im City-Center aus; er kostet 10 bis 20 Euro und gilt ein Jahr.