Immobilien

Haus bauen in Delmenhorst

Was Grundstück, Nebenkosten und Genehmigung wirklich kosten

99 Euro pro Quadratmeter in Brendel-Adelheide, 209 Euro in Dwoberg-Ströhen: Innerhalb der Stadtgrenze von Delmenhorst kostet derselbe Quadratmeter Bauland mehr als das Doppelte, je nach Stadtteil. Wer hier ein Haus bauen will, entscheidet mit der Wahl der Lage über einen fünfstelligen Betrag - und das, bevor der erste Stein liegt. Dieser Ratgeber rechnet die drei Posten durch, die am Ende auf der Rechnung stehen: das Grundstück, die Nebenkosten und das Haus. Dazu kommt, was viele unterschätzen: das Baurecht.

Was ein Grundstück in Delmenhorst kostet

Beim Grundstückspreis lohnt es, drei Zahlen auseinanderzuhalten, die oft durcheinandergehen. Der Bodenrichtwert ist der amtliche Durchschnitt, den der Gutachterausschuss aus tatsächlichen Verkäufen ableitet. Der städtische Verkaufspreis in einem Neubaugebiet liegt meist etwas darüber, weil die Grundstücke voll erschlossen verkauft werden. Und der Angebotspreis auf dem freien Markt liegt in Delmenhorst noch einmal höher.

Zum Stichtag 1. Januar 2025 lag der durchschnittliche Bodenrichtwert für Wohnbauland bei 130 Euro pro Quadratmeter, ein Plus von 2,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dieser Durchschnitt sagt für die konkrete Planung wenig aus. Entscheidend ist der Stadtteil:

Bodenrichtwerte nach Stadtteil (Stand 1.1.2025)

Dwoberg - Ströhen209 €/m²
Düsternort189 €/m²
Deichhorst187 €/m²
Stickgras - Annenriede168 €/m²
Mitte166 €/m²
Hasport - Annenheide124 €/m²
Iprump - Stickgras119 €/m²
Schafkoven - Donneresch115 €/m²
Bungerhof103 €/m²
Brendel - Adelheide99 €/m²

Quelle: Gutachterausschuss für Grundstückswerte, veröffentlicht am 1.3.2025. Bodenrichtwerte sind Orientierungswerte, kein garantierter Kaufpreis.

Am stärksten zugelegt hat Dwoberg-Ströhen mit plus 6,6 Prozent, gefolgt von Stickgras-Annenriede und Deichhorst. Wer günstig bauen will, schaut in den Norden und Westen: Brendel-Adelheide und Bungerhof sind die einzigen Lagen unter 105 Euro. Bei einem 600-Quadratmeter-Grundstück trennen Brendel und Dwoberg rund 66.000 Euro - allein über den Bodenwert.

Auf dem freien Markt zahlen Sie mehr. Angebotspreise für Bauland bewegen sich in Delmenhorst je nach Lage zwischen etwa 171 Euro in einfachen und 264 Euro in den gefragtesten Lagen, im Schnitt um die 225 Euro pro Quadratmeter. Die Lücke zum Bodenrichtwert ist normal: Sie zeigt, dass die Nachfrage das Angebot übersteigt.

Städtische Baugrundstücke: der günstigere Weg

Die Stadt Delmenhorst verkauft eigene Grundstücke in Neubaugebieten regelmäßig direkt an Bauwillige - oft unter dem freien Marktpreis und ohne Maklerprovision. Das aktuell größte Projekt ist das Baugebiet Delmod in Deichhorst, entstanden auf dem 5,3 Hektar großen Gelände des früheren Mode-Unternehmens. Insgesamt 28 Grundstücke wurden hier ausgewiesen: 23 für Ein- und Doppelhäuser, 5 für Mehrfamilienhäuser.

Der Quadratmeterpreis liegt bei 205 Euro, die Grundstücke sind zwischen 451 und 926 Quadratmeter groß. Nach der ersten Vergaberunde 2024/2025 wurden im Februar 2026 noch einmal 15 Restgrundstücke ausgeschrieben, Bewerbungsschluss war der 15. März 2026. Wer bauen will, sollte solche Ausschreibungen früh verfolgen, denn die Nachfrage ist hoch und die Fenster sind kurz.

Daneben vergibt die Stadt immer wieder einzelne Plätze in kleineren Gebieten, zuletzt etwa zwei Grundstücke am Veilchenweg in Neuendeel (408 und 503 Quadratmeter). Aktuelle Angebote stehen beim Fachdienst Liegenschaften der Stadt Delmenhorst. Eine allgemeine Übersicht zu Neubaugebieten und Vergabeverfahren finden Sie auch auf unserer Seite zu Baugrundstücken in Delmenhorst.

Die Kaufnebenkosten - was oben drauf kommt

Der Grundstückspreis ist nur der Anfang. In Niedersachsen summieren sich die Nebenkosten beim Kauf auf gut zehn Prozent. Diese Posten fallen an:

Kaufnebenkosten in Niedersachsen

Grunderwerbsteuer5,0 %
Notarca. 1,5 %
Grundbucheintragca. 0,5 %
Maklerprovision (Käuferanteil)3,57 %
Summebis ca. 10,6 %

Grunderwerbsteuer Niedersachsen: 5 % seit 2014, derzeit keine Erhöhung geplant. Maklerprovision entfällt beim Direktkauf von der Stadt.

Ein wichtiger Punkt für die Kalkulation: Die Grunderwerbsteuer fällt nur auf das Grundstück an, wenn Sie es getrennt vom Hausbau kaufen. Erwerben Sie ein bebautes oder vertraglich an ein bestimmtes Haus gekoppeltes Grundstück, kann das Finanzamt die Steuer auf den Gesamtpreis berechnen - ein Unterschied von mehreren tausend Euro. Beim städtischen Grundstückskauf spart man zusätzlich die Maklerprovision. Das macht die 205 Euro im Delmod-Gebiet attraktiver, als der reine Quadratmeterpreis vermuten lässt.

Nicht vergessen: die Erschließungskosten. Sie decken Straße, Kanal, Wasser, Strom und Telekommunikation ab. Bei städtischen Neubaugrundstücken sind sie häufig schon im Kaufpreis enthalten, beim freien Kauf eines unerschlossenen Grundstücks können sie 15.000 bis 30.000 Euro betragen. Fragen Sie vor dem Kauf ausdrücklich nach, ob das Grundstück voll erschlossen ist.

Rechenbeispiel: ein Reihenhaus-Budget für Deichhorst

Wie viel müssen Sie also tatsächlich einplanen? Eine Modellrechnung für ein erschlossenes, von der Stadt gekauftes Grundstück in Deichhorst, 600 Quadratmeter, mit einem schlüsselfertigen Einfamilienhaus von 140 Quadratmeter Wohnfläche:

Modellrechnung Hausbau Delmenhorst (Stand Juni 2026)

Grundstück 600 m² × 205 €/m²123.000 €
Grunderwerbsteuer 5 %6.150 €
Notar + Grundbuch ca. 2 %2.460 €
Makler (Direktkauf Stadt)0 €
Haus schlüsselfertig 140 m² × 3.200 €/m²448.000 €
Hausanschlüsse, Außenanlagen, Vermessungca. 35.000 €
Gesamtca. 614.600 €

Eigene Beispielrechnung. Ohne Keller, ohne Sonderwünsche. Baukosten variieren stark mit Ausstattung und Energiestandard.

Die Botschaft dieser Tabelle: Das Grundstück samt Nebenkosten macht hier rund 131.600 Euro aus, also etwa ein Fünftel der Gesamtkosten. Den Löwenanteil verschlingt das Haus selbst. Genau dort lohnt sich beim Sparen das genaueste Hinsehen - und genau dort wird im nächsten Abschnitt gerechnet.

Was das Haus selbst kostet

Die Baukosten für ein schlüsselfertiges Einfamilienhaus liegen 2026 bundesweit zwischen 2.600 und 3.800 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche. Für Niedersachsen nennen Anbieter aktuell eher die obere Hälfte dieser Spanne, etwa 3.300 bis 3.800 Euro. Regionale Unterschiede innerhalb des Landes sind dabei klein - was den Preis treibt, ist nicht der Standort des Hauses, sondern wie es gebaut wird. Eine laufend aktualisierte Übersicht der Quadratmeterpreise bietet das Hausbaujournal.

Die drei größten Stellschrauben:

  • Bauweise: Ein typisiertes Fertighaus ist günstiger als ein frei geplantes Architektenhaus, dafür weniger flexibel.
  • Ausstattung: Bodenbeläge, Bäder, Küche und Haustechnik machen schnell 50.000 Euro Unterschied zwischen Standard und gehoben.
  • Energiestandard: Wärmepumpe, Photovoltaik und ein hoher Effizienzhaus-Standard kosten zunächst mehr, öffnen aber die Tür zu zinsverbilligten Förderkrediten (siehe unten).

Ein realistischer Mittelwert für ein ordentlich ausgestattetes Haus liegt bei rund 3.200 Euro pro Quadratmeter. Wer einen Keller plant, rechnet je nach Ausführung 30.000 bis 60.000 Euro zusätzlich.

Brauchen Sie überhaupt eine Baugenehmigung?

Das ist die Frage, an der die meisten Ratgeber vorbeischreiben - dabei entscheidet sie über Wochen Bearbeitungszeit. In Niedersachsen gilt: Liegt Ihr Grundstück in einem Gebiet mit qualifiziertem Bebauungsplan, der es als Wohngebiet ausweist (WS, WR, WA oder WB), dürfen Sie ein Wohnhaus der Gebäudeklassen 1 bis 3 ohne klassische Baugenehmigung errichten. Das regelt die Niedersächsische Bauordnung in § 62 (Genehmigungsfreistellung).

Statt eines Bauantrags reichen Sie dann nur eine Mitteilung über das geplante Vorhaben ein. Die Stadt bestätigt diese spätestens einen Monat nach Eingang der Unterlagen. Der Haken: Ohne Genehmigung trägt der Bauherr gemeinsam mit dem Entwurfsverfasser die volle Verantwortung dafür, dass alle Vorschriften eingehalten sind. Genau deshalb darf der Bauherr auch verlangen, dass stattdessen doch ein reguläres Verfahren durchgeführt wird.

Für die meisten Neubaugebiete wie Delmod heißt das in der Praxis: ein Standard-Einfamilienhaus ist genehmigungsfrei, wenn es sich an den Bebauungsplan hält. Liegt das Grundstück außerhalb eines B-Plan-Gebiets oder weicht das Vorhaben ab, greift das vereinfachte Baugenehmigungsverfahren nach § 63 NBauO. In beiden Fällen müssen die Bauunterlagen von einem bauvorlageberechtigten Architekten oder Ingenieur unterschrieben sein.

Zuständig: Fachdienst Bauordnung im Stadthaus, Am Stadtwall 1, 27749 Delmenhorst. Telefon (04221) 99-2689, E-Mail bauordnung@delmenhorst.de. Termine nur nach Vereinbarung. Eine erteilte Baugenehmigung gilt drei Jahre.

Der Bebauungsplan: was Sie bauen dürfen

Bevor Sie sich in einen Grundriss verlieben, lesen Sie den Bebauungsplan. Er legt fest, was auf dem Grundstück überhaupt erlaubt ist, und arbeitet mit zwei Kennzahlen, die jeder Bauherr kennen sollte:

  • Grundflächenzahl (GRZ): Sie sagt, welcher Anteil des Grundstücks bebaut werden darf. Eine GRZ von 0,3 bei 600 Quadratmeter bedeutet 180 Quadratmeter überbaubare Fläche.
  • Geschossflächenzahl (GFZ): Sie begrenzt die gesamte Geschossfläche über alle Etagen und steuert damit, wie groß das Haus in der Summe werden darf.

Dazu kommen Vorgaben zu Dachform, Firsthöhe, Zahl der Vollgeschosse und manchmal sogar zur Fassadenfarbe. Wer hier vorab beim Bauamt nachfragt oder eine kostenpflichtige Bauvoranfrage stellt, erspart sich teure Planänderungen. Den passenden Stadtteil dafür finden Sie über unsere Übersicht der Delmenhorster Stadtteile.

Förderung: zinslose Darlehen und KfW-Kredite

Zwei Töpfe sind für Bauherren in Delmenhorst besonders relevant. Das Land Niedersachsen vergibt über die NBank eine Eigentumsförderung für selbstgenutztes Wohneigentum: ein anfänglich zinsloses Darlehen, dazu ein Zuschuss von 3.000 Euro pro Kind oder pro Haushaltsmitglied mit Behinderung. Vorausgesetzt werden in der Regel rund 15 Prozent Eigenkapital und die Einhaltung der Einkommensgrenzen des Landes. Beratung gibt es bei der NBank unter 0511 30031-9333.

Bundesweit kommt der KfW-Kredit 300 Wohneigentum für Familien dazu. Er richtet sich an Familien mit Kindern, die erstmals bauen oder kaufen, und bietet zinsverbilligte Kredite bis zwischen 170.000 und 270.000 Euro - je nach Kinderzahl und energetischem Standard. Bedingung ist ein klimafreundlicher Neubau, die Einkommensgrenze beginnt bei 90.000 Euro Jahreseinkommen für eine Familie mit einem Kind und steigt je weiterem Kind um 10.000 Euro. Beide Förderungen lassen sich kombinieren, müssen aber vor Baubeginn beantragt werden.

Für das Finanzierungsgespräch lohnt der Vergleich mehrerer Anbieter. Einen Überblick über die Institute vor Ort gibt unsere Seite zu den Banken in Delmenhorst.

Häufige Fragen zum Hausbau in Delmenhorst

Wie viel kostet ein Baugrundstück in Delmenhorst?

Der Bodenrichtwert reicht 2025 von 99 Euro pro Quadratmeter in Brendel-Adelheide bis 209 Euro in Dwoberg-Ströhen, im Durchschnitt 130 Euro. Städtische Neubaugrundstücke wie im Delmod-Gebiet kosten 205 Euro, freie Marktangebote liegen im Schnitt bei rund 225 Euro pro Quadratmeter.

Wo bekomme ich ein städtisches Grundstück?

Über den Fachdienst Liegenschaften der Stadt, Telefon (04221) 99-2966. Aktuelle Ausschreibungen werden auf delmenhorst.de veröffentlicht. Die Fristen sind kurz, frühzeitige Beobachtung lohnt.

Brauche ich für ein Einfamilienhaus eine Baugenehmigung?

In einem Wohngebiet mit qualifiziertem Bebauungsplan reicht für ein Haus der Gebäudeklassen 1 bis 3 die Mitteilung nach § 62 NBauO, eine klassische Genehmigung ist nicht nötig. Außerhalb solcher Gebiete gilt das vereinfachte Verfahren nach § 63 NBauO.

Was kostet der Hausbau pro Quadratmeter?

Für ein schlüsselfertiges Einfamilienhaus rechnet man 2026 mit 2.600 bis 3.800 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche, je nach Bauweise, Ausstattung und Energiestandard. Ein realistischer Mittelwert liegt bei etwa 3.200 Euro.