Delmenhorst wirkt heute wie eine typische Industriestadt am Rand von Bremen - dabei reicht seine Geschichte bis ins Mittelalter zurück. Zwischen der ersten Burg und der modernen Großstadt liegen fast 800 Jahre, ein früh verliehenes Stadtrecht, Jahrhunderte der Stagnation und ein rasanter Aufstieg im 19. Jahrhundert. Fast 800 Jahre in wenigen Etappen.
Eine Burg an der Delme
Am Anfang steht die Lage im Sumpf. 1234, im Jahr des Endes der Stedingerkriege, erwarb Graf Otto I. von Oldenburg an der Delme einen Hof - eine "Horst", also eine trockene Erhebung im feuchten Land. Hier entstand eine von Wassergräben umgebene Burg, die dem Ort seinen Namen gab. 1254 wird "Delmenhorst" erstmals urkundlich erwähnt. Die Geschichte dieser Burg und ihres späteren Parks erzählen wir ausführlich im Beitrag Die Graft.
Stadtrecht im Jahr 1371
Schon früh wurde aus der Siedlung eine Stadt: Am 15. Juni 1371 verlieh Graf Otto III. Delmenhorst das Stadtrecht nach Bremer Vorbild. Dieses Datum ist bis heute der offizielle Geburtstag der Stadt - 2021 feierte Delmenhorst "650 Jahre Stadtrechte". Mit dem Stadtrecht kamen eigene Rechte für Markt, Gericht und Selbstverwaltung.
Jahrhunderte im Schatten Bremens
Auf den frühen Aufstieg folgte eine lange, ruhige Phase. Die Herrschaft über Delmenhorst wechselte mehrfach - zeitweise gehörte es zum Erzbistum Bremen, zum Bistum Münster und immer wieder zur Grafschaft, später zum Herzogtum und Großherzogtum Oldenburg. Wirtschaftlich aber blieb die kleine Stadt lange im Schatten des mächtigen Handelszentrums Bremen, das direkt nebenan lag. Über Jahrhunderte wuchs Delmenhorst kaum.
Die Bahn und die Industrie
Das änderte sich im 19. Jahrhundert schlagartig. 1867 wurde die Bahnstrecke Bremen-Oldenburg eingeweiht - und die Lage direkt an der Schiene machte Delmenhorst für die Industrie attraktiv. In rascher Folge entstanden große Fabriken: 1871 die Jutespinnerei, 1882 die Linoleumfabrik und 1884 die Norddeutsche Wollkämmerei, die "Nordwolle". Die Stadt wuchs mit ihnen: Zählte Delmenhorst 1816 noch keine 2.000 Einwohner, waren es um 1900 bereits über 16.000. 1898 galt die Stadt als "größte Industriestadt zwischen Weser und Ems". Wie ein einzelner Betrieb die Stadt prägte, zeigt unser Beitrag Die Nordwolle.
Delmenhorst in Jahreszahlen
| 1234 | Graf Otto I. erwirbt die Horst an der Delme |
| 1371 | Stadtrecht nach Bremer Vorbild |
| 1867 | Eisenbahn Bremen - Oldenburg |
| 1884 | Gründung der Nordwolle |
| 1903 | kreisfreie Stadt |
Quelle: Chronik der Stadt Delmenhorst.
Kreisfreie Stadt seit 1903
Der industrielle Boom machte Delmenhorst selbstständig: Am 1. Mai 1903 wurde die Stadt zur "Stadt erster Klasse" erhoben - sie wurde damit kreisfrei und gehörte fortan keinem Landkreis mehr an. 1946 ging das Land Oldenburg im neuen Bundesland Niedersachsen auf, zu dem Delmenhorst bis heute gehört. Als kreisfreie Stadt zählt Delmenhorst heute rund 81.000 Einwohner. Wer tiefer eintauchen will, findet mehr in unseren Beiträgen zu den historischen Gebäuden und den Persönlichkeiten der Stadt.