Für eine Stadt ihrer Größe hat Delmenhorst erstaunlich viele bekannte Köpfe hervorgebracht. Eine der erfolgreichsten deutschen Popsängerinnen wurde hier geboren, dazu ein Drei-Sterne-Koch, eine Olympiasiegerin, ein Basketball-Europameister und der längstdienende Generalinspekteur der Bundeswehr. Andere prägten die Stadt, ohne hier zur Welt gekommen zu sein. Dieser Überblick ordnet die Namen - und räumt zugleich mit ein paar hartnäckigen Verwechslungen auf.
Die international Bekannten
Die berühmteste Tochter der Stadt ist Sarah Connor, geboren am 13. Juni 1980 in Delmenhorst als Sarah Marianne Corina Lewe. Ihr Durchbruch gelang 2001 mit der Soul-Ballade "From Sarah with Love", die in Deutschland an die Chartspitze kletterte; das Debütalbum "Green Eyed Soul" machte sie über Nacht zum Star. 2015 wagte sie mit "Muttersprache" den Wechsel ins Deutsche - das Album stieg auf Platz eins der deutschen Charts, die Single "Wie schön du bist" wurde einer ihrer größten Hits. Ihre Heimatstadt hat den Bezug nie vergessen und ernannte sie 2003 zur Ehrenbotschafterin.
Kulinarisch spielt Kevin Fehling (geboren am 29. Juni 1977 in Delmenhorst) in der Weltklasse. Schon im Travemünder Restaurant "La Belle Epoque" erkochte er sich 2013 drei Michelin-Sterne. Seit August 2015 führt er in der Hamburger HafenCity sein eigenes Restaurant "The Table", das bereits im November desselben Jahres mit drei Sternen ausgezeichnet wurde und sie seither Jahr für Jahr verteidigt - eine Auszeichnung, die in Deutschland nur eine Handvoll Köche halten.
Erfolge im Sport
Der wohl größte Sportheld der Stadt ist Christian Welp (2. Januar 1964 in Delmenhorst bis 1. März 2015). Der 2,11 Meter große Center wurde 1987 an 16. Stelle von den Philadelphia 76ers in die NBA gedraftet und spielte zuvor erfolgreich am College der University of Washington. Sein unvergesslicher Moment kam 1993: Bei der Heim-Europameisterschaft warf er im Finale gegen Russland den entscheidenden Korb und wurde zum wertvollsten Spieler des Turniers gewählt. Mit den Bayer Giants Leverkusen holte er mehrere deutsche Meistertitel. Welp starb 2015 mit nur 51 Jahren in den USA.
Für die jüngeren Olympia-Erfolge steht Sandra Auffarth, geboren am 27. Dezember 1986 in Delmenhorst. Bei den Spielen 2012 in London gewann die Vielseitigkeitsreiterin Gold mit der Mannschaft und Bronze im Einzel; zwei Jahre später wurde sie bei der Weltmeisterschaft in der Normandie sowohl Einzel- als auch Mannschaftsweltmeisterin. Dazu kommen mehrere EM-Titel mit dem Team.
Ein bekanntes Gesicht des Profifußballs ist zwar nicht in Delmenhorst geboren, aber hier aufgewachsen: Florian Kohfeldt (geboren 1982 in Siegen) zog mit vier Jahren in die Stadt, stand beim TV Jahn Delmenhorst im Tor und machte sein Abitur am Max-Planck-Gymnasium. Von 2017 bis 2021 war er Cheftrainer von Werder Bremen, später betreute er unter anderem den VfL Wolfsburg und den SV Darmstadt 98.
Wissenschaft, Medizin und Militär
Volker Wieker, geboren am 1. März 1954 in Delmenhorst, stieg an die Spitze der Bundeswehr auf: Von 2010 bis 2018 war er Generalinspekteur - der ranghöchste Soldat des Landes und der am längsten amtierende in diesem Amt in der Geschichte der Bundeswehr.
Weit zurück reicht die Bedeutung von Iwan Bloch (8. April 1872 in Delmenhorst bis 19. November 1922 in Berlin). Der Mediziner gilt als einer der Begründer der Sexualwissenschaft. Mit seinem 1907 erschienenen Hauptwerk "Das Sexualleben unserer Zeit" prägte er den Begriff und verstand das Fach als Disziplin, die Medizin, Kulturgeschichte, Psychologie und Anthropologie verbindet.
Kunst, Bühne und Musik
Der Maler und Dichter Arthur Fitger (4. Oktober 1840 in Delmenhorst bis 28. Juni 1909) prägte um 1900 das Kunstleben Bremens. Von ihm stammen monumentale Wand- und Deckengemälde, unter anderem in der Bremer Börse. Als einflussreicher Kunstkritiker stand er der aufkommenden Moderne skeptisch gegenüber und geriet mit den Worpsweder Malern aneinander. In Delmenhorst, Bremen und weiteren Städten sind bis heute Straßen nach ihm benannt.
Auf der Leinwand und der Theaterbühne war Karin Eickelbaum (10. November 1937 in Delmenhorst bis 16. April 2004 in Berlin) zu Hause. Einem breiten Publikum wurde die Film- und Theaterschauspielerin durch das Fernsehen bekannt, unter anderem in rund zwanzig "Tatort"-Folgen der 1970er-Jahre sowie in Serien wie "Liebling Kreuzberg" und "Der Alte"; auf der Bühne spielte sie an den Münchner Kammerspielen.
Noch weiter in die Vergangenheit führt August Kühnel (3. August 1645 in Delmenhorst bis um 1700), ein Komponist des Barock und gefeierter Virtuose auf der Viola da gamba. Seine 1698 veröffentlichte Sammlung "Sonate ò Partite" gilt als einer der ersten in Deutschland gedruckten Sätze deutscher Triosonaten.
Aus der Zeit der Grafen
Dass Delmenhorst über Jahrhunderte ein eigener Grafensitz war, spiegelt sich in einer Persönlichkeit des 17. Jahrhunderts: Emilie von Oldenburg-Delmenhorst (15. Juni 1614 in Delmenhorst bis 4. Dezember 1670), eine Tochter des Grafen Anton II. Durch Heirat wurde sie Gräfin von Schwarzburg-Rudolstadt und führte dort von 1646 bis 1662 als Regentin die Regierungsgeschäfte für ihren unmündigen Sohn. Wie Delmenhorst zu diesem Grafensitz wurde, erzählt unser Beitrag Wie Delmenhorst zur Stadt wurde.
Die die Stadt prägten
Manche Namen sind mit Delmenhorst verbunden, ohne dass ihre Träger hier geboren wurden. Erich Koch-Weser (1875 in Bremerhaven bis 1944 in Brasilien) war von 1901 bis 1909 Bürgermeister der Stadt und wurde 1928 zu ihrem ersten Ehrenbürger ernannt. In der Weimarer Republik brachte er es weit: Er war Reichsinnenminister, später Reichsjustizminister und Vorsitzender der linksliberalen DDP.
Wirtschaftlich prägend war die Unternehmerfamilie Lahusen, die 1884 die Norddeutsche Wollkämmerei und Kammgarnspinnerei gründete und Delmenhorst zur Industriestadt machte. Ihre Geschichte - Aufstieg, Weltgeltung und der spektakuläre Zusammenbruch von 1931 - erzählen wir ausführlich im Beitrag Die Nordwolle.
Oft verwechselt: aus dem Umland, nicht aus Delmenhorst
Rund um Delmenhorst sind einige Prominente geboren, die immer wieder fälschlich der Stadt zugeschrieben werden. Der Ordnung halber und mit Quelle geprüft:
- Dieter Bohlen (Musiker und Produzent, 1954) stammt aus Berne in der Wesermarsch.
- Katja Riemann (Schauspielerin, 1963) wurde in Kirchweyhe südlich von Bremen geboren.
- Wigald Boning (Entertainer, 1967) kam in Wildeshausen zur Welt.
Sie alle sind Kinder der Region, aber eben keine gebürtigen Delmenhorster. Eine knappere Übersicht mit historischen Namensgebern von Schulen und Straßen finden Sie auf unserer Seite zu den Persönlichkeiten aus Delmenhorst.